Halbinsel Hela

Ouvernorde

Ouvernorde (auch Ouernord, Vornoorde, Fuhrenort, Federort)

Ouernord auf Karte von 1595Der in unterschiedlichsten Schreibweisen in alten Seekarten zu findende Ort bereitete bereits den Historikern vor 100 Jahren viel Kopfzerbrechen. Es wurde gemutmaßt, dass es sich hierbei um eine frühere Bezeichnung für Alt-Hela oder eine Markierung des nördlichen Weges nach Hela handeln könnte. Nach Sichtung vieler Karten und Vergleich der Standorte haben wir jedoch einige Indizien gefunden, nach denen Ouvernorde die Lage des für die Seefahrt überaus wichtigen Leuchtfeuers auf Hela zeigen könnte.

Der erste Teil des Namens Ouvernorde, vielfach auch Vornoord oder Federort genannt, könnte sich von dem holländischen Wort VUREN = FEUER ableiten.

Die holländische Bezeichnung des Ortes kann ein Indiz für eine bereits vermutete Nähe zur holländischen Sprache sein, kann aber auch dadurch erklärt werden, dass die Erstellung und Vertrieb der Seekarten im Ostseeraum bis Mitte des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich in holländischer Hand waren.

Auch die wechselnde Lage Ouvernordes in den alten Karten lässt sich erklären. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Leuchtfeuer im Laufe der Zeit an verschiedenen Orten betrieben wurde.

 

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Wladislausburg und Casimirsschanze

Mer BaltiqueAuf der Karte des königlichen Festungsbaumeisters Friedrich Getkant von 1764 werden auf Hela als einzige Orte nur die beiden Befestigungsanlagen (Schanzen) „Wladislausburg“ und „Casimirs Schantz“ genannt. Die größere Schanze Wladislausburg wurde benannt nach dem plonischen König, die kleinere Casimirs Schantz nach dessen Bruder.

Diese Befestigungen sind ca. ab 1635 errichtet und später aufgegeben worden und stellen keine Ortschaften im üblichen Sinne dar. Aber da der Ort Ceynowa und die Casimirsschanze an der gleichen Stelle stehen, sind sie evtl. zusammen errichtet worden bzw. ist Ceynowa aus Casimirsschanze hervorgegangen.

Die Karte ist offenbar überwiegend aus militärischen Gründen angefertigt worden.

 

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Hela

Hela (polnisch: Hel)

Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung Helas befindet sich auf einer Urkunde aus dem Jahr 1351. Hela war im Mittelalter eine Doppelstadt, bestehend aus der Altstadt (Alt-Hela), welche vollständig vom Erdboden verschwunden zu sein scheint, und der Neustadt (Neu-Hela), dem heute noch existierenden Städtchen. 1378 wurde Hela vom Hochmeister des Deutschen Ordens das Stadtrecht verliehen, das es bis 1872 verteidigen konnte.

Hela Hafen und ev. KircheHela wurde im Wesentlichen von deutschsprachigen Fischern bewohnt und bildete so die Grenze zum kaschubischen Sprachraum auf der Halbinsel.

Nachdem Hela nach dem 1. Weltkrieg durch den Versailler Vertrag an Polen fiel, wurde die deutsche Bevölkerung, aber auch viele Kaschuben, die die polnische Staatsbürgerschaft nicht annehmen wollte, ausgewiesen. Viele siedelten sich im neu entstandenen Freistaat Danzig an. Nach Erlangung der Danziger Staatsangehörigkeit konnten diese jedoch zurückkehren und weiter in Hela leben.

Ab 1933, einhergehend mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, spitzte sich die Lage weiter zu. Die Bevölkerung hatte unter permanenten Kontrollen und Schikanen der polnischen Geheimpolizei zu leiden und die polnischen Behörden verboten die deutsche Sprache zu benutzen. 1938 wurden schließlich die letzten Deutschen ausgewiesen.

Nach dem Polenfeldzug 1939 und dem Beginn des 2. Weltkriegs konnten im Frühjahr 1940 viele Helaer Familien für kurze Zeit wieder zurückkehren.

Hela - SüdstrandBerühmt wurde Hela durch die Evakuierung der deutschen Bevölkerung 1945. Hunderttausende Bewohner der ost- und westpreußischen Gebiete flohen vor der anrückenden Sowjetarmee und wurden über die Ostsee mit allen verfügbaren Schiffen Richtung Schleswig-Holstein und Skandinavien evakuiert. Bei den Kämpfen um Hela 1945 wurde die Stadt fast vollständig zerstört.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Hela nun endgültig Teil des polnischen Staates und der Bereich Hela wurde zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Erst seit Öffnung des Eisernen Vorhangs 1990 können die deutschen Helaer wieder ungehindert ihre alte Heimat besuchen.

 

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Walderb und Nickelsdorf

Walderb und Nickelsdorf

Erwähnung von Walderb und Nickelsdorff - 1687Die beiden Dörfer Walderb und Nickelsdorf sind seit langem verschwunden und es gibt kaum Informationen zu ihnen. Vermutlich wurden sie von deutschsprachigen Fischern gegründet und bewohnt. Sie gehörten wahrscheinlich zur Pfarrei Hela, denn in den Mitteilungen des Westpreußischen Geschichtsvereins, Heft Nr. 7 von 1908, in dem Artikel "Kirchen, Schulen und Brüderschaften auf Hela vor der preußischen Besitzergreifung", heißt es: "Die Einkünfte der Helaer Geistlichen, zu dessen Pfarrei außer Hela und Heisternest noch die eingegangenen Dörfer Walderb und Nickelsdorf gehörten, waren niemals sehr beträchtlich."

Erwähnung finden die beiden Ortschaften bereits in Reinhold Curickens Werk "Der Stadt Dantzig Historische Beschreibung" von 1687, Seite 144, wobei Nickelsdorf zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr existiert zu haben scheint: "Eß gehören auch 3 Dörffer zum Lande und Stadt Heela, als nemlich: Walderb, Harternest, und Nickelsdorff, welches letzte aber gantz untergangen".

 

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Jurata

Jurata (ca. 1940-1945 Hela-Heide)

Jurata StrandJurata ist die jüngste Siedlung auf der Halbinsel. Bis 1928 standen hier nur einige kaschubische Fischerhütten. Nachdem Hela gem. Versailler Vertrag 1920 an Polen gefallen war, wurde 1928 von polnischen Investoren ein Seebad samt großen Hotelanlagen errichtet.

Der Name Jurata leitet sich aus der litauischen Mythologie ab. Laut Sage lebte die Meeresgöttin Jurate vor der Küste der Halbinsel und wurde, nachdem sie eine Beziehung zu einem sterblichen Fischer hatte, vom Donnergott Perkunas an einen Felsen am Meeresgrund gekettet.

Im Zuge der Germanisierung der Ortsnamen durch die Nationalsozialisten trug Jurata im 2. Weltkrieg kurzzeitig den Namen Hela-Heide. Dieser Name war jedoch nicht geläufig und wurde von der Bevölkerung nicht verwendet.

 

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