Halbinsel Hela

Der Untergang der Memel

Am Ende des 2. Weltkriegs, als die Rote Armee in Ostpreußen einmarschierte, sammelten sich auf der Halbinsel Hela zehntausende Flüchtlinge und Reste der Wehrmacht. Viele wurden mit Schiffen nach Westen gebracht. Doch die Überfahrt war sehr gefährlich, weil englische Bomber und sowjetische U-Boote die Flüchtenden auf den Schiffen angriffen. Die Versenkung der Wilhelm Gustloff, der Goya und der Steuben ist bis heute im deutschen kollektiven Gedächtnis präsent. Daneben aber ereigneten sich viele weitere Tragödien, die heute fast vergessen sind.

Im Rahmen der Verwundeten- und Flüchtlingstransporte aus den Ostgebieten über die Ostsee läuft am 30. Januar 1945 auch das U-Boot-Begleitschiff Memel mit 900 Flüchtlingen an Bord vom Militärhafen Hela in Richtung Westen aus. Unter den Passagieren befinden sich auch etwa 200 Einwohner Helas. 600 Menschen werden die Fahrt nicht überleben.

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Die 1925 in Dienst gestellte Memel gehört der in Hela stationierten U-Boot Begleitschiff "Memel"24. U-Boot-Flottille als Tender an und steht unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Wilhelm Scheurer. Am 28. Januar 1945 kommt für die Memel der Befehl hunderte Flüchtlinge aufzunehmen und im Geleit mit weiteren Schiffen Hela zu verlassen und die Menschen nach Saßnitz auf Rügen zu bringen. Als Fahrtweg wird der für etwas sicherer gehaltene Küstenweg gewählt.

Am Abend des 30. Januar setzt sich der kleine Verband, bestehend aus den Tendern Memel und Leverkusen, den Dampfern Uerdingen und Mosel sowie dem Torpedoboot Panther und dem Torpedofangboot TF5 als Geleitschutz bei schwierigen Wetterbedingungen in Bewegung. Insgesamt befinden sich 1500 Flüchtlinge an Bord der Schiffe.

Die Flüchtlingskonvois sind auf hoher See der Gefahr der Angriffe durch sowjetische U-Boote ausgesetzt. Im küstennahen und flacheren Bereich besteht die größere Gefahr durch Luftangriffe der englischen Royal Air Force (RAF). Bei einer Offensive der RAF werden Ostseegebiete vor Flensburg, Kiel, der Pommerschen Bucht, aber größtenteils vor Swinemünde („Minensperre Geranium“) mit Wasserminen vermint. Dazu wurden bei 159 Einsätzen 668 Minen abgesetzt.

Bei Außentemperaturen von -15°C und eisigem Wind haben die Menschen auf den Oberdecks der Schiffe schwer mit den Witterungsbedingungen zu kämpfen. Die fallenden Temperaturen führen aber auch dazu, dass sich in der Ostsee verstärkt dickere Eisschollen bilden und die Fahrt des Geleitzuges zunehmend verlangsamen und erschweren.

Das Torpedoboot Panther an der Spitze des Geleits erleidet durch das Brechen des Eises schwere Beschädigungen am Rumpf des Schiffes, so dass man sich entscheidet den Platz mit der Memel zu tauschen, die fortan die Führung des Zuges und das Brechen des mittlerweile 50 cm starken Eises übernimmt.

Außerdem entscheidet der Kommandant der Memel, Oberleutnant zur See Scheurer, den Kurs zu ändern und nun das nähere Swinemünde anzulaufen um die Menschen nicht weiter den strapaziösen Wetterbedingungen auszuliefern.

Um 4:00 Uhr am frühen Morgen des  31. Januar 1945 läuft die Memel vor Swinemünde in ein von englischen Kampfbombern gelegtes Wasserminenfeld („Geranium“) und beginnt nach einer schweren Minendetonation zu sinken. Sofort laufen die anderen Schiffe des Verbandes die Memel an und beginnen die Überlebenden vom sinkenden Schiff zu retten. Viele springen vor Panik in die bitterkalte Ostsee oder auf die Eisschollen.

Um 4:20 Uhr ist die Memel vollständig gesunken und verschwindet in den Tiefen der Ostsee. Die verbleibenden Schiffe suchen die Umgebung der Untergangsstelle weiter mit Suchscheinwerfern ab und können noch einige Menschen aus dem Wasser oder von herumtreibenden Eisschollen retten.

Für 600 Menschen des überfüllten Schiffes kommt aber jede Hilfe zu spät. Sie werden bei der Explosion getötet, von driftenden Eisschollen zerquetscht oder ertrinken in den eisigen Fluten der Ostsee.

Unter den Opfern des Untergangs der Memel befinden sich auch die hier genannten Heelschen. Wir werden ihre Namen und ihre Geschichte in Erinnerung behalten.

Gottfried Grönwald
geb. 01.06.1875
Marta Grönwald
geb. 18.07.1878
Manfred Grönwald
geb. 13.02.1937
Erika Grönwald
Erika Grönwald
Helga Grönwald
Renate Grönwald
Irene Grönwald
Marta Grönwald, geb. Zuch
Karl-Heinz Grönwald
geb. 1928
Lucie Sehmel, geb. Grönwald
Emma Grönwald
Anni Grönwald
Ute Grönwald
Ruth Grönwald
Minna Hallmann, geb. Wolf
Erna Hallmann
Kurt Hallmann
geb. 1928
Klara Margarethe Holl
geb. 22.07.1901
Lore Elisabeth Holl
geb. 23.03.1922
Klara Margarethe Holl
geb. 08.06.1923
Hildegard Gertrud Holl
geb. 29.07.1926
Else Reinke, geb. Heim
geb. 1920
Dieter Reinke
geb. 1944
Martin Sehmel
geb. 27.01.1945
Karl Walkows
Wilhelmine Walkows
EvelyneWalkows
Johann Walkows
Meta Walkows, geb. Grönwald
geb. 04.11.1873
Margot Walkows
geb. 30.06.1924
Gertrud Wolf
Gerhard Wolf
Hannelore Wolf
August Wolf
Werner Zuch
Jürgen Zuch

 

Weitere Informationen, Zeitzeugenberichte und Hintergrunddetails finden sich im Buch Ostsee '45 von Heinz Schön, 1985 erschienen im Motorbuch Verlag.

Fischermarke Hannes Holtfester Hannes Holtfester, 01.10.2015