Halbinsel Hela

Untergang der Adele

  Untergang der „Adele“
von Eduard Pietzcker

Mitte Dezember 1898 ging die „Adele“ und ihr Kapitän Krützfeldt in stürmischer Wintersnacht bei Hela in der Nähe von Rixhöft zu Grunde.


Es braust der Nord und die Welle schäumt.
Ein Dampfer in Wogen und Wanken-
Hoch auf die Gischt an dem Bug bäumt
Und rüttelt und schlägt an die Planken.
Die Nacht ist dunkel- es leuchtet kein Stern!
Es warnet kein Leuchtturm- die Küste so fern!
„Gott schütz‘ uns und schirm die „Adele“;
Sei gnädig unserer Seele!“

Der Führer spricht es- der Kapitän
Und denkt an sein Heim und Lieben.
Die Wogen über das Deck hingeh’n.
„Ein jeder am Platz und tut Eure Pflicht
Und halten wir unsere „Adele“ nicht,
So gehen wir mit ihr zu Grunde.
Gott sei uns nah‘ in der Stunde.“

„Der letztBrief an mein Weib!“ da es muß-
Er schreibt ihn mit festen Händen-
„Euch Lieben will ich den Scheidegruß
Von dem sinkenden Schiffe noch senden.
Ich schaue dem Tod in das Angesicht
Voll Mut und Vertrauen, drum grämt Euch nicht!
Nur schade ums junge Leben,
Den Fluten so preis zu geben.“

Auch mancher von Euch hat ein Weib daheim
Und Kinder wie ich- und die Alten!
Es war Euer stolz, Euer Sonnenschein!
Ihr habt sie in Ehren gehalten.
Ein Spruch noch für sie- eh‘ die Flut uns verschlingt
Und die letzte Welle den Abschied uns bringt,
Ihr laßt Eure Kinder in Nöten!
Wer wird Vaterstelle vertreten?

Da- ein furchtbar Krachen- die Flut bricht herein!
An den Pumpen vergebliches Mühen.
„Die Flaschenpost noch in die Fluten hinein:
O laßt an die Küste sie ziehen,
O mögest Du’s künden den Meinen daheim:
Mein letzter Gruß galt Euch nur allein.
Kapitän- und nun auf den Posten
Und dann- in den ewigen Osten!“

Die Wogen, sie rollen dumpf über das Deck-
Da ein Dampfer in Sicht!- Lichter blinken-
Laut ruft der Führer: „Trotz Sturm und trotz Leck
Laßt, Kinder, die Hoffnung nicht sinken.
Es naht uns die Hilfe“- Ein Krachen ein Stoß-
„Adele“ versinkt in der Fluten Schoß
Mit der Mannschaft, dem Führer, dem braven-
Nun geht es zum ewigen Hafen.

Die Weihnachtsglocke von ferne klingt-
Sie ruft Dich umsonst zu den Lieben.
Zum Strande die Welle die Kunde bringt,
Wie Du von dem Leben geschieden,
Du wackerer Seemann!- Als Streiter und Held,
Der mit der Mannschaft siegt oder fällt,
So bist Du zum Tode gezogen
In Sturm, in Wettern, in Wogen!

Ruh‘ aus denn, mein Freund, in dem feuchten Grab!
Ruh‘ aus von dem Sturm, den Gefahren!
Viel Liebe und Freundschaft zieh’n mit Dir hinab.
Erinnerung wird man bewahren
Ernst Krützfeldt Dir!- Dein Name lebt fort,
Und führt uns der Kiel an den traurigen Ort,
Wo Du sankest mit Deiner „Adele“,
Einen Spruch dann für’s Heil Deiner Seele.
Still senken den Lorbeer wir dorten hinab,
Wo Du im Dezember gefunden Dein Grab!