Halbinsel Hela

Familiennamen der Seestadt Hela

Viele Familiennamen waren über Jahrhunderte auf Hela präsent. Manche Familien verließen Hela wieder, andere zogen hinzu und einige waren "eine halbe Ewigkeit" auf Hela zu finden. Der Wechsel der Familiennamen auf Hela variierte mitunter stark. Es gibt nachweislich familiäre Verbindungen nach Westpreußen (z. B. Danzig und Putzig) und (Ost-)Preußen, nach Pommern (Wolgast), mutmaßlich auch nach Lübeck, Westfalen und den Niederlanden und Flandern. In diesem Artikel werden einige auch den Kirchenbüchern entnommene Familiennamen vorgestellt und der Versuch unternommen, den Ursprung der mittelalterlichen Familiennamen Helas zu ergründen.

Der Artikel wurde 2016 in "Lübecker Beiträge zur Familien- und Wappenkunde" (Jubiläumsband Nr. 66, 2016, ISSN 2366-1240.) veröffentlicht. Internetpräsenz: www.familienforschung-luebeck.de.

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 Ausschnitt aus der Romwegkarte des Erhardt Etzlaub (1501). Norden und Süden sind vertauscht.Die Halbinsel Hela, auch als ‚Putziger Nehrung‘ bezeichnet, wurde mal als „Wellenbrecher“ der Danziger Bucht, mal als Danzigs „Sandbüchse“ bezeichnet. [1] Über den sagenumwobenen Ursprung der Stadt Hela bzw. der Städte Namens Hela auf dieser Halbinsel gibt es viele Theorien. Tatsache ist, daß es etwa drei Jahrhunderte lang, vom 13. bis zum 16. Jahrhundert zwei Städte dieses Namens gegeben hat – ‚Alt-Hela‘ und ‚Neu-Hela‘. Die Stadt Alt-Hela scheint im Jahr 1572 oder wenig später Opfer einer Naturkatastrophe oder eines Beschusses durch die schwedische Flotte geworden zu sein. [2] Während Alt-Hela vermutlich ursprünglich eine baltisch-skandinavische Handelsniederlassung war, wurde Neu-Hela in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts möglicherweise von Lübecker oder westfälischen Kaufleuten gegründet. [3] Den Bürgern Helas wurde im Jahre 1378 vom Deutschen Orden das Stadtrecht nach lübischem Recht bestätigt, was die Heelschen‘ erstaunlicherweise bis in das Jahr 1872 bewahren konnten. [4]Großes Ratssiegel der Stadt Hela nach F. A. Voßberg: Geschichte der preußischen Münzen und Siegel (1843)

Die Doppelstadt Hela war bis zum 14./15. Jahrhundert eine nicht gerade unbedeutende Handelsniederlassung und wichtiger Seehafen an der südlichen Ostseeküste. Der Wasserweg entlang der südlichen Ostseeküste war der Handelsweg von Lübeck nach Nowgorod, wo die Seidenstraße endete und auch der bevorzugte Reiseweg von Siedlern und der seit Anfang des 13. Jahrhunderts an den Kreuzzügen gegen die Prußen teilnehmenden Kreuzfahrer, welche vornehmlich in Lübeck in See stachen. Später war Hela stets Sammelpunkt der Flotte des Deutschen Ordens. Die Stadt Hela stand aber bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter starkem Einfluß Danzigs, und so schloß sie sich 1440 ebenfalls dem Preußischen Bund an, stand im Kampf gegen den Deutschen Orden auf Seiten Danzigs und des polnischen Königs.

Ausschnitt aus einer Karte des Sebastian Münster (1544)Nachdem die rechtliche Zugehörigkeit Helas nach dem 2. Thorner Frieden Jahrzehnte lang offen schien, da der Danziger Magistrat und der polnische König um die dem deutschen Orden abgenommenen Gebiete und um Kompensationen der zu einem großen Teil von Danzig getragenen Kriegskosten verhandelten, wurde die Stadt Hela am 20. Juli 1526 vom polnischen König Sigismund I. Danzig zugesprochen.

Hela, im Jahre 1501 noch auf einer Romweg-Karte des Erhardt Etzlaub erwähnt, verwandelte sich im Laufe der Zeit von einer maritimen Handelsniederlassung zu einem kleinen, mit Stadtrechten bewidmeten Fischerdorf. Ihre Geschichte als Nachkommen der Bürger einer stolzen Handelsstadt haben die Helaer Fischer jedoch nie vergessen, bezeichneten sie sich in den Kirchenbüchern doch über Jahrhunderte hinweg fortwährend als „Bürger und Schiffer“.

 

Bürgernamen vor 1631

Mit dem wirtschaftlichen Niedergang Helas – spätestens ab 1466 – fand wohl auch eine Abwanderung der alteingesessenen Kaufmannsfamilien statt. Möglicherweise ließen sie sich in anderen Städten der Ostsee nieder oder sie kehrten an ihren Ursprung zurück. Die uns bekannten Familiennamen Helaer Bürger vor 1631 (dem Beginn der Eintragungen im ältesten noch erhaltenen Kirchenbuch Helas) lauten wie folgt:

Tabelle der Bürgernamen

Eine internetgestützte Suche nach der heutigen Verbreitung dieser Bürgernamen in Deutschland und den Niederlanden hat ergeben, daß etwa 50% der Namen nicht mehr existieren oder nicht zuzuordnen sind, 40% sind vermutlich deutschen Ursprungs und maximal 10% niederländischen Ursprungs. [5]

 

Die Helaer St. Katharinenbruderschaft – Danziger Kaufleute im Exil?

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Helas befindet sich auf der Stiftungsurkunde der St Katharinenbruderschaft aus dem Jahr 1351. Gründungsmitglieder sind Hans von Rudye, Jacob Krüdener, Hans von der Medene, Bühle Wolter, Tidecke Hagemeister, Hanß Ebotzye, Ludwig von dem Brincke, Tydemann Stripteroy, Peter von Königsberg, Claus Lyst, Johannes Witte und Jacob Molde. Einer späteren Quelle nach könnte die Gründung der Bruderschaft jedoch auch wesentlich früher, nämlich im Jahr 1333 oder gar 1311, erfolgt sein. [6]

Im Jahre 1308 eroberte der Deutsche Orden Danzig und zerstörte die Stadt wohl größtenteils. [7] Von der Zerstörung war auch – mit Ausnahme der St Katharinenkirche – eine Kaufmannssiedlung auf dem Gebiet der Danziger Altstadt betroffen, die 1224 oder 1263 von deutschen Kaufleuten gegründet und vom pommerschen Herzog Swantopolk mit lübischem Recht ausgestattet worden war. [8] Der Deutsche Orden verhinderte anschließend fast 20 Jahre lang einen Wiederaufbau und Neuansiedlung. Danziger Kaufleute sind erst wieder ab dem Jahr 1328 nachweisbar. Sehr zögerlich stattete der Deutsche Orden die neu entstehende Danziger Siedlungen mit Kulmer Stadtrechten aus: 1342 die Rechtstadt und 1377 die Altstadt. [9] Doch wohin gingen die Danziger Kaufleute nach der Zerstörung ihrer Stadt? Es liegt nahe, zu vermuten, daß diese wieder an ihren Ursprung zurückkehrten; und tatsächlich lassen sich einige ehemalige Danziger wenig später in Lübeck nachweisen. [10] Naheliegend wäre aber auch, daß einige Kaufleute den Handel von Hela aus weiterführten. Falls es zutreffen sollte, daß die St Katharinenbruderschaft bereits im Jahr 1311 gegründet worden ist, so würde ihre Gründung genau in die Zeit fallen, als Danzig im wahrsten Sinne des Wortes am Boden lag. Diese Helaer Bruderschaft betrieb eine mittelalterliche Art der Sozialfürsorge (drei Mal im Jahr war den Bedürftigen Bier auszuschenken), wesentlich war sie allerdings eine Art Sterbekasse („Seelengerehte“). Vielleicht ist es Zufall, daß sich die Bruderschaft die gleiche Schutzpatronin auserkor, die auch Schutzpatronin der Gemeindekirche der ersten Danziger Kaufmannssiedlung war: die Heilige Katharina. Der Deutsche Orden ließ vermutlich erst um 1325 den Wiederaufbau Danzigs zu. Bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts wuchs Danzig rasant. Man schätzt die Zahl der Bewohner des gesamten Stadtkomplexes zum Ende des 14. Jahrhunderts auf etwa 10.000 Menschen, von denen nur ein Teil Bürgerrechte besaß.

In der Sammlung von Danziger Bürgernamen von Dorothea Weichbrodt [11] wird Tidecke Hagemeister als Danziger Bürger und Kaufmann und als Mitbegründer der St Katharinenbruderschaft zu Hela aufgeführt. Tidemann Hagemeister hatte also in mehreren Städten Bürgerrecht erworben. Folglich besaß er auch in Hela Grundbesitz. Weitere aus dem Geschlecht der Hagemeister waren Fern- bzw. Großkaufleute in Danzig und in einem Fall auch in Elbing.

Ebenfalls Mitbegründer der St Katharinenbruderschaft auf Hela war Hans von Rudye. Der Familienname (Varianten: van de Ruden, Rueden, Ruyden, Rohden, Ruthen) stammt möglicherweise aus Westfalen, Kreis Arnsberg. Hans (auch Henrich oder Hinzko) von Rudye „der Alte“ war 1332 Schöppe und 1344-1355 Ratsherr in Danzig. [12] Ein mutmaßlicher Sohn, Hermann von Ruden, wurde 1378 vom Danziger Stadtrat als Anstifter des „Aufstands der Gewerke“ geächtet. Laut Peter Oliver Loew war Hermann von Ruden Wortführer der Brauer und konnte fliehen. [13] Von ihm ist auch bekannt, daß er Wallfahrten nach Rom und nach Galizien machte. Spätere Bürger gleichen Familiennamens waren Danziger Reeder und (Fern-)Kaufleute.

 

Familiennamen des 15. Jahrhunderts

In einem Brief von 1414 wird als Helaer Bürger ein Claus von der Oste genannt. Dieser Name taucht in Danzig das erste Mal im Jahre 1346/48 auf, dem Todesjahr des Danziger Bürgermeisters Detlof van der Ossen. Auch ein Steffen von der Ossen, gestorben 1355, war Bürgermeister in Danzig. Der oben genannte Helaer Bürger war gleichzeitig auch Bürger Danzigs und erhielt 1404 vom Danziger Komtur das Dorf Warschkau, Kreis Neustadt, mit 40 Hufen zum Lehen. Zusammen mit Heinrich Breslau ist er 1414 als Kaufmann tätig. [14] Auch wird ein Henrich von Osen, Helaer Bürger, geboren um 1460, gestorben nach 1492, als Fernkaufmann erwähnt. In Danzig wird ebenfalls ein Henrich von Osen (ca. 1430-1468) erwähnt, der in das Danziger Patriziat eingeheiratet hatte (Heirat mit Christina Ferber ca. 1458) und als Fernkaufmann tätig war. Ein Bartold van Osen war um 1444 Fernkaufmann und Reeder in Danzig. Schließlich findet sich unter den ersten Mitgliedern der ‚Reinholdsbank‘ im Artushof in Danzig 1481 ein Jordan van der Oste. [15]

Ein Johann Lange wird 1382 als Danziger Bürger erwähnt, bevor er 1416 „Advokat“ (Vogt) in Hela wird. Ein Gotschalk Lange war 1395 Bürgermeister in Elbing. Nikolaus und Johan Lange werden 1356/61 als Bürger in Lübeck erwähnt. Ebenfalls ein Nikolaus Lange war 1377 Bürgermeister und 1360 Ratsherr in der Altstadt Danzig. Mathias Lange war 1399 und 1404 Ratsherr und Bürgermeister in Danzig. Ein Johann Lange war Fernkaufmann und Reeder in Danzig und 1440 Danziger Vogt auf Schonen. Und schließlich wird 1456 in Danzig ein Lorenz Lange enthauptet, da er wohl am Aufstand des Martin Kogge beteiligt gewesen sein soll.                             

Brief an die Stadt Reval von 1413

Der Rat zu Hela (van/ to Hele) teilt Bürgermeistern und Rat zu Reval mit, dass vor ihm ihr Mitbürger Hannes Westfael erklärt hat, dass sein Freund Hannes Ganchusen zu Reval verstorbene sei; der Rat zu Reval wird gebeten, den Nachlass bis zum Erscheinen des rechtmässigen Erben in Verwahrung zu nehmen. Gescreven in dem XIII na XIIII(C) in die Augustini. [16]

Lübecker bzw. westfälischer Herkunft scheint beispielsweise der Name Westfael zu sein. [17] In einer Urkunde von 1413 teilt der Rat von Hela Bürgermeistern und Rat zu Reval mit, daß vor ihm ihr Mitbürger Hannes Westfael erklärt hat, daß sein Freund Hannes Ganchusen zu Reval verstorbene sei; der Rat zu Reval wird gebeten, den Nachlass bis zum Erscheinen des rechtmäßigen Erben in Verwahrung zu nehmen.

Im Jahr 1440 wird Hela auf den Ständetagen von den Abgeordneten Nicclos Drechaw, Albrecht Felandt (Varianten: Valand, Vollandt), Dythmer Walraben und Johan Grote vertreten. Es ist anzunehmen, daß sie Bürger Helas waren. Ein Tidemann Valand, der 1473 Schöffe, 1477 Ratsherr und 1481 Richter in Danzig war, stirbt dort 1492. Er war Fernkaufmann und Reeder und kaufte mit Niederhoff und Sidinghusen das Schiff „Peter von Danzig“. Seine Tochter war mit Eberhard Ferber, einem Danziger Bürgermeister, verheiratet.

Die Wallraven sind ein ritterbürtiges Geschlecht aus Westfalen und 1305 Patrizier in der westfälischen Stadt Soest. Sie werden 1320 erstmals in Danzig genannt. Ein 1387 gestorbene Johan Wallrave war 1349 Ratsherr und 1359 Bürgermeister in Danzig. Übrigens wurde der älteste Artushof in Danzig zwischen 1348 und 1350 von der St. Georgsbruderschaft erbaut, welche dem Johan Wallrave einen jährlichen Grundzins in Höhe von fünf Mark verbriefte. [18] Weitere Wallraven waren im 14. und 15. Jahrhundert Danziger Ratsherren, Bürgermeister und Fernkaufleute.

Der Name Groß (Grot) findet sich erstmals bei einem Gottschalk und Hartwich, Danziger Schöffen, die im Jahr 1382 bzw. 1397 dort starben. Ein Bartholomäus Grot, Kaufmann, Schöffe und Ratsherr, entstammte dem Nürnberger Patriziat, wurde Danziger Bürger und dort 1411 ermordet. 1428 kaufte der Fernkaufmann und Reeder Hermann Grot ein Schiff. Schließlich wurde ein Hans Grot 1456 in Danzig als Aufrührer enthauptet (wahrscheinlich ebenfalls im Zusammenhang mit dem Aufstand des Martin Kogge).

Ein Johann Ebelig (Variante: Ebeling), 1563 geboren, starb 1638 75jährig auf Hela. Er war dort 13 Jahre lang Vogt gewesen. Die Ebelings kamen wohl aus Mittenwalde, Mark Brandenburg, wo ein Benedict Ebeling Bürgermeister war. Nachfolgende Ebelings waren Danziger Bürger und auch Kaufleute. [19]

Auch wenn eine eindeutige genealogische Zuordnung der verschiedenen Personen mit gleichlautenden Familiennamen zum Teil nicht möglich ist und überlieferten und von Dorothea Weichbrodt notierten Familiennamen vermutlich vorwiegend aus den wohlhabenderen bürgerlichen Schichten der Bevölkerung stammen, so scheint Hela im 14. und 15. Jahrhundert eine von Fischfang, Handwerk und Fernhandel geprägte Stadt gewesen zu sein. Laut der vom Deutschen Orden im Jahr 1378 verliehenen Handfeste und weiteren Dokumenten gab es in Hela Kaufleute, Kleinkaufleute, Krüger, Schiffer, Fischer und Tranbuden, Schuhmacher, Schneider, Fleischer, Bäcker, sowie ein Rathaus, Badestuben, ein Gefängnis und einen wöchentlich stattfindenden Viehmarkt. Ein Teil des Danziger Patriziats – Fernkaufleute, Reeder, Schöffen, Ratsleute, Bürgermeister – besaß gleichzeitig Grundbesitz und Bürgerrecht in Hela. Vermutlich lag die Bedeutung Helas sowohl in der geographischen Lage als Reede vor Danzig, wo der Warenverkehr zwischen Danzig und Lübeck und dem Sund und der Schiffahrtsweg von Lübeck nach Nowgorod zusammentrafen, als auch in einem möglichen Zwischenhandelsplatz von Fernhandelswaren. Das älteste Kirchenbuch beginnt im Jahr 1631. Ab diesem Zeitpunkt ist die Familiengeschichte auf Hela nahezu lückenlos darstellbar.

 

Familiennamen nach 1631

In ihren Erzählungen bezogen die Helaer Fischerfamilien ihren Ursprung meistens auf die Niederlande, da sie aufgrund der sprachlichen Ähnlichkeiten mit dem Flämischen – die zeitweise relativ abgeschiedene Halbinsel Hela bot dem mittelalterlichen Niederdeutschen möglicherweise einen Rückzugsraum, aus dem sich dann das eigentümliche Heelsche Platt entwickelt hat – auf eine enge Verwandtschaft mit den Niederländern und Flamen schlossen. [20] Tatsächlich gibt es Helaer Familiennamen, die ihren Ursprung in den Niederlanden haben, wie zum Beispiel Dirks und Grönwald. Neben dieser Vermutung gab es aber auch eine Sage, daß die Stadt Hela von Lübecker Kaufleuten gegründet worden sei [21] und der familiäre Ursprung dort zu suchen sei. Einige der Bürgernamen ab dem 17. Jahrhundert lauten:

Tabelle der Familiennamen nach 1631

Auch weitere dieser Helaer Familiennamen sind vermutlich nicht Lübecker Herkunft. So ist Eisenblätter vermutlich prußischer und Kroll sorbischer Herkunft. Der Name Hallmann findet sich wohl erst im Jahre 1700 auf Hela ein. Der Name Holl könnte ursprünglich aus Württemberg über Flandern nach Hela gekommen sein. Die Namen Walkow und Kuntz bzw. Kuncze sind bisher die einzigen Familiennamen, die sowohl im 15./16., als auch im 20. Jahrhundert auf Hela nachweisbar sind. Ein Thomas Kuntze wird 1522 in einer Urkunde aus Hela genannt. Die Namen Becker, Düring, Eller, Kroll, Schmidt, Pieper und Nötzel sind zwischen dem 14. Und 16. Jahrhundert in Danzig und Umgebung nachweisbar. 1350 und 1395 werden ein Nicolaus und ein Andreas Eller als Fernkaufleute benannt und 1428 ein Claus Groenwald. 1400 und 1450 werden in Danzig und in Putzig die Kaufleute Hans und Bertold Düring genannt. Bei den meisten dieser Familiennamen ist eine bis in das Mittelalter hineinreichende Kontinuität auf Hela und im Danziger Raum wahrscheinlich, was eine Herkunft aus Westfalen und von der Hansestadt Lübeck – und teilweise auch aus den Niederlanden und Flandern – plausibel erscheinen läßt.

 

Das 20. Jahrhundert

Hela wurde 1920 nach den Statuten des Versailler Friedensvertrags von 1919 polnisch, jedoch ohne, daß eine Volksabstimmung durchgeführt worden wäre. Die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs verpflichteten die polnische Regierung zwar den Minderheitenschutzvertrag [22] 1919 zu unterschreiben, dieser wurde jedoch 1934 von der polnischen Regierung wieder gekündigt. Unter der polnischen Militärdiktatur wurden ab 1936 erste Helaer, die für Deutschland oder Danzig optiert hatten, ausgewiesen. [23]

Helaer Fischer (Gruppenfoto Anfang der 1930er Jahre)

 

Kirche und Hafen von Hela - Ende des 19.Jahrhunderts

Die meisten gingen nach Danzig, um sich in Weichselmünde in der ‚Hela-Siedlung‘ anzusiedeln. Im Dezember 1937 wurden alle übrigen Helaer – 160 Familien / etwa 600 Personen – ausgewiesen und mußten binnen 24 Stunden ihre Häuser verlassen. [24]

Ein Teil ging ebenfalls nach Weichselmünde, ein anderer nach Saßnitz auf Rügen, wo das Deutsche Reich ihnen eine Siedlung baute. Nach der Besetzung Polens durch das Deutsche Reich kehrten die Helaer 1940 heim und flüchteten 1945 erneut vor der heranrückenden Sowjetarmee.

Die Helaer siedelten verstreut – die meisten in Pommern und Schleswig-Holstein, einige auch in Lübeck. [25] Auch die nachgeborenen Generationen der Fischerfamilien fühlen sich immer noch mit der Stadt und der Halbinsel Hela verbunden. Wer mehr über die Geschichte und die Fischerfamilien Helas erfahren will, findet weitere Informationen in den anderen Artikeln auf der Webseite www.halbinsel-hela.de.

Gunnar Hallmann

 

Abbildungen:

  1. Ausschnitt aus der Romwegkarte des Erhardt Etzlaub (1501)
  2. Großes Ratssiegel der Stadt Hela nach F. A.  Voßberg: Geschichte der preußischen Münzen  und Siegel (1843)
  3. Ausschnitt aus einer Karte des Sebastian Münster (1544)
  4. Brief an die Stadt Reval - 1413
  5. Helaer Fischer (Gruppenfoto Anfang der 1930er Jahre)
  6. Kirche und Hafen von Hela (Foto Ende 19. Jhd.)

 

Fußnoten:

[1] Der feine Helaer Sand wurde bevorzugt von Danziger Schreibern zum Löschen der Tinte auf den Dokumenten benutzt.

[2] RÜHLE, Siegfried: Die Stadt Hela im Mittelalter. (Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft 69, Danzig, 1929).

[3] HALLMANN, Gunnar: Hela – Eine mittelalterliche Kaufmannssiedlung? 24.06.2015. URL: http://halbinsel-hela.de/index.php/geschichte/mittelalterl-kaufmannssiedlung. Stand: 22.08.2015.

[4] SEEGER, Pfarrer: Hela – Geschichtliches und Kulturgeschichtliches. In: Mitteilungen des deutschen Seefischerei Vereins Nr.4. Moeser. Berlin 1910.

[5] Verteilung der Familiennamen in Deutschland: www.verwandt.de/karten; Familiennamen in den Niederlanden: www.meertens.knaw.nl/nfb.

[6] STRUCK, Martin: Beschreibung einer Übersicht der Chronik von Hela, Beschaffenheit, Leute und Leben. (1874-1890); RÜHLE, Siegfried: Die Stadt Hela im Mittelalter. (Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft 69, Danzig, 1929, S. 128).

[7] LOEW, Peter Oliver: Danzig – Biographie einer Stadt. (C. H. Beck, 2011, S. 35-37, 41).

[8] Ebenda, S. 28.

[9] Ebenda, S. 42/43.

[10] LOEW, Peter Oliver: Danzig – Biographie einer Stadt. (C. H. Beck, 2011, S. 37).

[11] WEICHBRODT, Dorothea: Patrizier Bürger Einwohner der Freien und Hansestadt Danzig. (Bd. 1-4, 1986-1991).

[12] Ebenda, S. 405.

[13] LOEW, Peter Oliver: Danzig – Biographie einer Stadt. (C. H. Beck, 2011, S. 46).

[14] WEICHBRODT, Dorothea: Patrizier Bürger Einwohner Danzigs. (Bd.2, ca. 1988, S.409).

[15] SIMSON, Paul: Der Artushof in Danzig und seine Brüderschaften, die Banken. (Danzig. Theodor Bertling. 1900. Seite 42). Mitglieder im Danziger Artushof konnten nur Kaufleute, Goldschmiede und Schiffer werden. Diese fanden sich in (Sitz-)Gruppen zusammen, aus denen sich später sieben Bruderschaften/Genossenschaften bildeten. Die Reinholdsbank war wohl die älteste (In der Reinholdsbank, deren Schutzpatron wohl von der Dortmunder Reinoldikirche übernommen wurde, fanden sich wohl aus Westfalen stammende Kaufleute zusammen). Daneben existierten die Lübische Bank, die Heilige Dreikönigsbank, die Marienburger Bank, die Holländische Bank, die Schifferbank und Unser Lieben Frauen Bank. Die Reinholdsbank existiert neben anderen auch heute noch in Lübeck. URL: https://www.bankenbrueder.de/. Stand: 06.03.2016.

[16] Abbildung (URL: http://www.europeana.eu/portal/record/2048316/providedCHO_TLA_230_position_c0_c26_c826.html ) vom Rahvusarhiiv (Nationalarchiv) in Tartu, Estland (URL: www.arhiiv.ee). Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 International Lizenz. URL: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ .

[17] In einem Schreiben des Rates der Stadt Hela an den Rat der Stadt Reval aus dem Jahr 1413 wird ein Hannes Westfael als Bürger Helas bezeichnet.

[18] SIMSON, Paul: Der Artushof in Danzig und seine Brüderschaften, die Banken. (Danzig. Theodor Bertling. 1900. Seite 15).

[19] WEICHBRODT, Dorothea: Patrizier Bürger Einwohner der Freien und Hansestadt Danzig. (1986, S. 140).

[20] TOLKSDORF, Ulrich: Die Ursprungssagen des Dorfes Hela. (Westpreußen Jahrbuch, Bd. 37, 1987).

[21] GROENWALD, Emilie Lina und HALLMANN, Hans: Hela Chronik, Seite 1 (verm. 1970er Jahre).

[22] URL: http://www.europa.clio-online.de/site/lang__de/ItemID__219/mid__11373/40208215/default.aspx. Stand: 24.10.2015.

[23] GROENWALD, Emilie Lina und HALLMANN, Hans: Hela Chronik, Seite 1 (verm. 1970er Jahre).

[24] RASMUS, Hugo: Pommerellen Westpreußen 1919-1939. F. A. Herbig. München, Berlin 1989.

[25] Viele Helaer wurden auf dem aus dem Mittelalter stammenden Sankt Lorenz Friedhof in Lübeck begraben.